Pollock: Der Betrachter soll aufzunehmen versuchen, was das Bild
anzubieten hat. Der Betrachter sollte nicht einen Hauptinhalt oder
eine vorgefertigte Meinung mitbringen und nach deren Bestätigung
suchen.

Burri: Ich fahre fort mich ständig zu verändern, sonst wäre alles ja
nur eine grosse Langeweile. Ich kann die Künstler nicht verstehen,
die typische Zeichen in Beschlag nehmen und für immer daran festhalten.
Man muss etwas erfinden, denn das ist ein grosses Vergnügen.

Schumacher: Malen heisst Realisieren.

Ich arbeite experimentell und informell, d.h. unter Verwendung der
unterschiedlichsten Materialien und Fundstücke beginne ich ein Werk
ohne Entwurf. Ich lasse zuerst ein Farbenmeer entstehen, in dem sich
Formen und Strukturen auftun. Die Formen werden durch dynamisch
an- und abschwellende Linien markiert. Oft wird wieder weggenommen,
hinzugefügt, hinzugeklebt, übermalt. Zufällig sich Ereignendes wird in
den Werdungsprozess mit aufgenommen. In ständigem Zwiegespräch
mit dem Werk entsteht Wesenhaftes, das mich quasi eigen-willig be-
einflusst hat, es so werden zu lassen. Ein wichtiges Kriterium für die
Wesenhaftigkeit eines Werkes ist, dass es Raum greift und nicht in der
Zweidimensionalität stirbt.
Die Farbenmeere schaffen durch unterschiedliche Techniken Räume
zwischen lasierter Tiefe und plastischer Grenzfläche (Oberfläche).
In diesen fiktiven Farbräumen schweben die pulsierenden Linien, die
in den realen Bildraum drängen. Mal geraten plastisch gewordene Teile
dieser Linien in diesen Vorraum, mal atmen oder rufen Münder, schauen
Augen in ihn hinein, nehemen ihn so in Besitz.
In diesem Raum treffen sich Betrachter und wesenhaftes Werk. Oft
liest das betrachtende Auge, wie schon Leonardo da Vinci wusste,
aus jedem Farbfleck oder jeder Linie Dinge der wirklichen Welt heraus.
Er erkennt wie in Wolkenbildern Wesen, Dinge oder Landschaften.
Wenn es dem Betrachter gelingt, beide Schichten des Bildes - also
die Raum greifende und die abbildhafte - nacheinander oder miteinander
wahr zu nehmen, spürt er die dynamische Wesenhaftigkeit des Werkes,
die auch Teil an unserer Zeit.